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neu im jungen theater
Martin Baltscheit: Die besseren Wälder
ab 14 Jahren / 2 D – 3 H
aufgenommen in den Stückepool von Kaas & Kappes 2010
Ferdinand ist ein Wolf, der bei den Schafen aufwächst. Was ist er also? Ein Wolf im Schafspelz, ein Schaf mit Wolfsfell?
Er springt über Zäune, das tun Schafe nicht. Es ist nicht richtig. Und das war schon immer so. Er singt schöner als alle anderen das "Schafe Maria". So ist es richtig, das hat Tradition!
Wer also ist Ferdinand?
Als seine Freundin tot aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ein Wolf ist und bleibt ein Wolf. Das Töten liegt ihm im Blut, das weiß man doch. Das war schon immer so. Ferdinand flieht. Er flieht zu den Wölfen. Er will einer von ihnen werden. Aber die klugen Wölfe wollen verdammt gerne 'Schafe' sein: warme Heizdecken, schicke Kleider, Krankenversicherung... Dass ihr Leben hart ist, machen sie zur Tugend, zur Tradition. So ist es halt.
Eine Gans, die behauptet, ein Fuchs zu sein; und ein Bär, der eine Biene ist: In der Selbstverständlichkeit, mit der sie sind, wer sie sein wollen, bleiben sie die wahrhaft Vernunftbegabten in Martin Baltscheits Stück.
Denn Vieles wird heute gerne über die sogenannte "Natur" gesagt, über das "So bin ich halt". Und zu selten wird gefragt: Warum soll ich so sein? Und warum denn kann es keine Welt ohne Zäune geben mit Heizdecken für alle: 'Allen nach ihren Bedürfnissen, alle nach ihren Fähigkeiten' (Karl Marx).
doing it von Melvin Burgess
Für die Bühne bearbeitet von Nicola Bongard - nach der Übersetzung ins Deutsche von Andreas Steinhöfel, 3 D – 3 H, Dauer: 1:30 Stunden, ab 14
Ben und die Miss tun es heimlich (weil sie seine Lehrerin ist). Jon findet Deborah eigentlich ganz nett und auf jeden Fall wahnsinnig anziehend. Aber: sie ist fett! (Ok, mindestens mollig.) Dino’s got the look – er „ist es einfach“. Keiner ist so lässig und sexy wie er. Doch Dino hat nur Augen für Jackie. Jackie ist schön und klug – und lässt sich zwar mit ihm ein, ihn aber nicht ran (weshalb Dino es mit Zoe/Siobhan treibt).
Melvin Burgess erzählt von den sexuellen Fantasien und Praktiken der Teenager in einer vollkommen überdeterminierter Redseligkeit. Nicola Bongard hat daraus einen schnellen Bühnentext entwickelt, der dem obsessiven Treiben der Hauptfiguren freien Lauf lässt: Sie sind ungestüm, (über)ängstlich und auftrumpfend, schüchtern und albern und meistens ganz schön ‚frauen-verachtend’. Und sie wirken dabei oft freiwillig und unfreiwillig ausgesprochen komisch. Sympathie ist, schreibt Ivan Nagel, „Liebe Gottes zu den Leidenden und Liebe des Komikers zu seiner Bühnenfigur“. Und Burgess liebt seine Figuren wahrhaftig. So sehr, dass auch die Zuschauenden im Lauf des Stückes immer mehr sehen, hören und spüren, dass Ben, Jon, Dino, Jackie und Deb auf einer großen und schönen Suche sind: nach ihrer Form von Liebe und Körperlichkeit, Selbstachtung und Respekt.
DOING IT war ein voller Erfolg – ein ausgesprochen junges, wildes Theater, das in einer erfrischend offenen Sprache fast ausschließlich über Sex spricht, ohne irgendeinen Voyeurismus zu bedienen. Göttinger Tageblatt
Im Kaleidoskop der Körperflüssigkeiten tauchen viele Bilder jugendlicher Lebenswelt auf, die dokumentieren statt zu werten, zum Lachen bringen ohne der Lächerlichkeit preiszugeben und vor allem nicht aufgesetzt wirken. Das junge schauspiel begegnet seiner Zielgruppe auf Augenhöhe. Hessische/ Nieder-sächsische Allgemeine
Das gleichnamige Buch erscheint im Carlsen Verlag in der Übersetzung von Andreas Steinhöfel.
„So fängt es also an: Ein Junge steht am Abgrund des Todes. Ein anderer Junge steht am Abgrund von etwas viel Komplizierterem.“
Just in Case von Meg Rosoff
Aus dem Englischen für die Bühne bearbeitet von Stefan Schroeder, 2 D – 3 H, ab 14 Jahren, UA: frei
Was wäre wenn wir nur einen Wimpernschlag von der Katastrophe entfernt wären? Als David Case seinen kleinen Bruder im letzten Augenblick vor dem Sturz aus dem Fenster retten kann, gerät sein Leben aus den Fugen. Das Schicksal hat ein Auge auf ihn geworfen, das spürt er genau. Wie aber kann man dem eigenen Schicksal entkommen?
David geht in Deckung: er ändert seinen Namen in Justin - Justin Case. Er trägt von nun an seltsame Klamotten, die das noch seltsamere Mädchen Agnes für ihn aussucht. Er erfindet sich einen Windhund, zur Sicherheit. Und dann beginnt Justin zu laufen, in der Hoffnung, schneller sein zu können als all die tödlichen Gefahren, die auf ihn lauern. Wenn aber, wie sein Freund Peter sagt, Wissenschaft oft schon von einer falschen Grundannahme ausgeht, dann könnte es gut sein, dass er dabei dem Schicksal geradewegs in die Arme läuft.
Mit Just in Case bestätigt Meg Rosoff eindrucksvoll, dass ihr erzählerischer Blick auf das Leben in der frühen Adoleszenz herausragend ist. Mit schwarzem Humor, aber voller Wohlwollen ihren Figuren gegenüber, erzählt sie vom Drama des Erwachsenwerdens und der Suche nach Identität. (…) Die Autorin verhält sich wie das Schicksal: Sie ist unberechenbar, ruppig, manchmal zynisch und manchmal zärtlich, sie opfert schon mal einen Radfahrer oder lässt einen Modedesigner über die Klinge springen. Und sie beherrscht das Timing. Wenn sie das Schicksal sagen lässt: »Jeder Komiker, Tennisspieler oder Koch kann es bestätigen: Entscheidend ist immer der richtige Zeitpunkt.«, darf man ergänzen: Meg Rosoff weiß das ebenso. (Franz Lettner, DIE ZEIT)
Das Buch erschien im Carlsen Verlag (übersetzt von Brigitte Jakobeit) und wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2008 nominiert.
"Frag nicht wo, frag warum."
Neue Heimat von Martin Baltscheit
1 D - 3 H, ab 14 Jahren, UA: frei
Das Mädchen Jasmin, ihr Ex-Freund Bono, der Türke Frank (amerikanisch ausgesprochen) und ein alter Mann finden sich plötzlich in einer ungewöhnlichen und recht unangenehmen Situation wieder: Nach einem Diskobesuch fährt Frank sie leider alle gegen den einzigen Baum zwischen Bergheim und Dierdorf. In einem kargen Jenseits warten sie nun auf das Jüngste Gericht, jeder auf seine Weise. Sie versuchen einander in schnellen und durchaus respektlosen Dialogen vom richtigen Glauben zu überzeugen oder davon abzubringen. Und sie sind zugleich noch ganz mit dem vergangenen Leben beschäftigt, mit dem was sie taten und gern getan hätten. Das große Strafgericht entpuppt sich schließlich eher als Komödie, doch Bestand hat hingegen der Glaube an die Freundschaft. So gibt es für alle ein unerwartetes Happy End.