Theatertexte - Interner Bereich

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chronos theatertexte

In den chronos theatertexten finden Sie aktuelle Stücke für [junge] Erwachsene sowie die Abendspielplan-Werke Erich Kästners.
www.chronostheatertexte.de

 

Im "Künstlerhaus Eckernförde" komponiert Clemens Nachtmann das Musiktheater für Kinder und Erwachsene nach Guus Kuijers vielfach ausgezeichnetem Roman "Das Buch von allen Dingen"

Der Komponist gibt uns einen kleinen Einblick in die entstehende Gestalt des Musiktheaters:
"Das Buch von allen Dingen" ist auf ganz vielfältige Art immanent musikalisch, und zwar auf eine Weise, die meiner Auffassung von Musik vollauf entgegenkommt – das Knirschen von Elisas Lederbein etwa ist Musik und der rauhe, körnige Klang des Knirschens mit dem Bogen am Steg von Streichern kann darin ebenso sehr eine eigene Poesie entfalten, wie andererseits das gewissermaßen „Gewalttätige“ seiner Hervorbringung (den Bogen mit Überdruck auf die Saite pressen) an die Spur des Leidens erinnert, dem alles Schöne abgetrotzt ist. Ich bin überzeugt, dass Klänge nicht einfach nur beliebig manipulierbares qualitätsloses Material darstellen, sondern gleichsam „Lebewesen“: etwas, womit man sprichwörtlich „Steine erweichen“ kann und das deshalb so gut zur Figur des Thomas passt, unter dessen verweilenden und verwandelndem Blick selbst eine Sicherheitsnadel zu singen beginnt.
Es geht daher für mich beim „Buch“ nicht darum, in traditioneller Opern- oder Schauspielmusikmanier einen Text zu „vertonen“, sondern die Geschichte und den Weg der Personen darin, ihr Agieren, Reden, Innenleben zu musikalisieren und d.h. die der Geschichte immanente Musikalität hervorzukehren und kompositorisch zu entfalten. Angestrebt ist daher ein durchweg (sprach-)spielerischer Umgang mit dem Text, um die in ihm verborgenen klanglichen Facetten und Bedeutungsschattierungen hervorzuholen und ihm darüber hinaus, nach seinem Maß, neue Klänge und Bedeutungen zuwachsen zu lassen.
Entsehen soll somit eine spezifische durch die Musik gestiftete „Fasslichkeit“ des Dramas und der einzelnen darin involvierten Personen: dass Musik in all ihrer Vieldeutigkeit eine Deutlichkeit, Direktheit und Plastizität dadurch gewinnt, dass sie sich in ein notwendiges Verhältnis zu Text und Szenerie setzt – notwendig in dem Sinne, dass sie Text und Szenisches gleichsam absorbiert und als ihr eigenes Moment wieder freigibt, so dass alle drei für das Drama wesentlichen Momente – Musik, Text und Szenisches – füreinander einstehen können und sich wechselseitig erhellen. (Clemens Nachtmann)

Libretto: Manfred Weiß