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chronos theatertexte

In den chronos theatertexten finden Sie aktuelle Stücke für [junge] Erwachsene sowie die Abendspielplan-Werke Erich Kästners.
www.chronostheatertexte.de

 

Klassiker für Kinder

Hugo, Victor / Schroeder, Stefan

Quasimodo

Frei nach Victor Hugos „Der Glöckner von Notre-Dame“

"Weshalb starrt ihr ihn so an?"

„So einer kann doch kein Mensch sein!“: Quasimodo, der Hässliche, das Monster, der Bucklige, Ausgeburt der Hölle, ein Freak.
Seit 16 Jahren lebt der so Genannte bei Frollo, dem Priester von Notre-Dame. Stündlich läutet er dort die Glocken, halb taub geworden von ihrem Dröhnen. Er ist längst kein Kind mehr, und er vertraut Frollo nicht mehr blind. Doch Quasimodo kennt nur ihn, niemand sonst hat je mit ihm gesprochen, niemand außer Frollo sah ihn je ohne Entsetzen an. Bis er Esmeralda trifft, die schöne, tanzende Esmeralda. Er rettet sie vor den Schergen des Königs, der sie der Hexerei bezichtigt, und er bringt sie nach Notre-Dame. Zum ersten Mal in seinem Leben versucht Quasimodo einen Dialog, lernt er Gefühle kennen und das Vertrauen in einen anderen Menschen. Doch man schreibt das Jahr 1482 und für eine Hexe und einen Hässlichen kann es in dieser Zeit kein glückliches Ende geben. Denn beide entsprechen nicht dem, was die Gesellschaft als „Mensch“ definiert hat. So stirbt die Hexe auf dem Scheiterhaufen und der Freak weist sich freiwillig den einzigen Platz zu, den er bekommen kann: im Grab an ihrer Seite zu liegen. Dass zugleich des Königs Hexerei „Alchimie“ genannt wird und also legitim ist, und dass selbst der so nächstenliebende Priester ein hässliches Herz unterm Talar haben kann, beweist dabei nur, wie flexibel die Gültigkeit gesellschaftlicher Urteile sein kann.

Der messende Blick von heute sieht gemeinhin keine Hexen und Monster mehr. Doch ist damit die Geschichte des unglücklichen Glöckners von Notre-Dame längst nicht aus der ‚Mode’ gekommen. An ihrem Beispiel kann die Selbstverständlichkeit thematisiert werden, mit der wir Urteile über Körper und Seelen fällen; nach Kriterien, die uns ganz ‚natürlich’ erscheinen. Doch steckt in jedem Bemessen und Beurteilen eines Menschen bereits die Anmaßung, ihn beherrschen zu können: Die jüdische Tradition vermittelt die Scheu, einen Menschen mit dem Meterstab zu messen, weil man die Toten messe – für den Sarg. Das ist es, woran die Manipulatoren des Körpers ihre Freude haben. Sie messen den anderen, ohne es zu wissen, mit dem Blick des Sargmachers. Sie verraten sich, wenn sie das Resultat aussprechen: sie nennen den Menschen lang, kurz, fett und schwer. (Theodor Wiesengrund Adorno)

Leseprobe


Genre: Kindertheater, Klassiker für Kinder
Besetzung: 3 Dame(n), 7 Herr(en),
Alter: empfohlen ab 12
Uraufführung: frei

Textbuch: Bestellung per E-Mail

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