Verlag für Kindertheater

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Ein Schelm, wer
Böses dabei denkt ...

"Bei uns in Schilda" von O. Preußler

Wer hätte schon gewusst, dass die Bürger von Schilda einst gescheite Leute und bei Kaiser, Königen und Fürsten bezahlte Ratgeber waren? Jeremias Punktum, Stadtschreiber von Schilda hat alles, was er und seine Mitbürger erlebt haben, zu Papier gebracht. Er berichtet von Abenteuern, zahlreichen Niederlagen, von Missgeschicken und weshalb die Bürger dumm wurden und vielleicht auch blieben, aber das ist nicht ganz gewiss.

Schelmen und Narren leben am Rand der Gesellschaft, außerhalb der Konvention, der Sitten und Gebräuche, der herrschenden Moral. In ihren Späßen wollen sie uns für sinnvoll verkaufen, was doch ihrer eigenen verrückten Weltdeutung entspringt. Unangefochten verneinen sie die Anforderung, ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu sein. Sie genießen lieber die völlige Narrenfreiheit. Sie lügen und betrügen, sie schummeln und stellen sich dümmer als sie sind. Am Ende aber zahlt jeder Narr für seine Freiheit einen Preis: Er kann nie in die Gesellschaft zurück, er bleibt allein. Er ist frei bei Strafe seines eigenen Untergangs.
Der Narr zeigt uns, was unbedingte Freiheit sein könnte. Und er zeigt uns, dass sie in einer Gesellschaft zum Störfall, zum Ärgernis werden muss. In den Schelmen- und Narrengeschichten können wir unsere
hemmungslose Ich-Sucht genüsslich ausleben und können darin gleichzeitig erwägen, was es wert ist, sich zugunsten der Gesellschaft zurückzunehmen. Doch indem der Narr das konventionelle Gefüge jeder Gesellschaft mit seinem Schalk bis ins Mark erschüttert, zwingt er uns auch zur kritischen Reflektion dieser Gesellschaft. Längst ist nicht immer vorweg entschieden, wer wirklich der Dumme ist: die Schildbürger, die dem Kaiser auf Steckenpferden entgegenhumpeln oder der Kaiser, der auf dem hohen Ross sitzt.

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