Verlag für Kindertheater

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Titeldetails

Müller. Chronik einer deutschen Sippe

von

Für die Bühne bearbeitet von Sven j. Olsson

"Die Müllers haben alles für bare Münze genommen. Ihr Vertrauen in die Unfehlbarkeit der Vorgesetzten war ebenso unerschütterlich und blind wie ihr Glaube an die Gerechtigkeit ihrer eigenen Handlungen."
Walter Mehring

So wie es keinen 'deutscheren' Nachnamen gibt als Müller, so gibt es keine mustergültigere deutsche Sippe als jene Müllers, deren Geschichte Dr. Arminus Müller von der Römerzeit an lückenlos erforscht und niederschreibt. Niemals zeichneten sich diese Müllers durch "besondere Schicksale" oder "durch besondere Begabung" aus, doch ihre Bereitwilligkeit, sich dem jeweiligen Herrscher mit Hingabe zu unterstellen, war beispielhaft. Sie haben dem Heidentum abgeschworen, dem Teufel widerstanden, sie wurden "lutherisch zugleich mit ihren Fürsten", leisteten Heeresdienste und dienten ihren Herren gleichermaßen unbeirrt unter der Monarchie wie in der Republik. So konnte es Dr. Arminus Müller auch nicht vorhersehen, dass die Nationalsozialisten, deren Erhebung er selbst doch naturgemäß voll und ganz begrüßt hatte, ausgerechnet ihn auffordern würden, seine Rassenreinheit zu belegen. Eine Forderung, der er mit der gebotenen Müllerschen Eilfertigkeit und Gründlichkeit nachkommt und an der er grandios scheitern muss.

Walter Mehring kritisiert in diesem spektakulären Gang durch die deutsche Geschichte die Hypostasierung der reinen Substanz, die Arminus Müller so gern in sich selbst finden und dem Führer beweisen will. Diese Kritik hat bis heute nichts an Dringlichkeit verloren. Die reine Substanz, die uns innewohnen soll, heißt heute natürlich nicht mehr 'Rasse'. Das moderne 'Eigentliche' ist sehr viel flüssiger und wandelbarer, es nennt sich Individualität und muss eine je unverwechselbare Einheit von Fitness und Engagement, Kreativität und Agilität, Nützlichkeit und Geselligkeit etc. sein. Weh dem, der den Nachweis solcher Individualität heute nicht erbringen kann, im privaten Leben ebenso wie im Vorstellungsgespräch. Geändert hat sich die Diktion, nicht die Sache.

Als Arminus Müller mit seinem 'Bund der Teutoburger' singend um ein nächtliches Weihefeuer tanzt, lässt Mehring nebenan eine "tolle Jazzband einen American Song intonieren, der den germanischen Spuk mit einem Schlag fortblies". Ein guter Jazzsong ist Walter Mehrings satirischer "Müller" noch heute, er hat nichts an Schärfe verloren und schon gar nicht seinen Gegenstand!

Bearbeitung: Sven j. Olsson
Besetzung: 8 Darsteller/innen
Uraufführung: frei zur UA


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