Verlag für Kindertheater

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Titeldetails

Stuttgart.Teheran.Dialog

von Reihaneh Youzbashi Dizaji

Die junge Frau erinnert sich gerne an die Kindertage im Paradies, daran, wie die Welt um sie herum aussah, roch und schmeckte. Damals, als sie noch nichts wusste über die Gefahr, in der sie mit ihren Eltern schwebte. Denn die politische Opposition im Iran wurde verfolgt und der erste Golfkrieg begann. Doch im Dampfbad der Großeltern schien die Welt im absoluten Gleichgewicht zu sein. Im Luftschutzkeller nicht mehr. Als ihr Vater um Asyl in Stuttgart ansucht, verspricht er ihr eine Kindernähmaschine. Doch es erwartet sie nur das Gastgeschenk der Stadt: Ein 50teiliges Puzzle, die Stadtansicht in grau. Das Essen schmeckt nicht, die Sprache ist fremd, sie hausen in einem kleinen Zimmer zu dritt. Doch das Kind lernt deutsch, lernt sich in diesem Land zu bewegen, findet ihren eigenen Weg. Als sie alt genug ist, geht sie ihn zurück: sie reist in den Iran der Gegenwart auf der Suche nach der Vergangenheit. Sie trifft ihre Cousinen, denen ihr Vater verbietet, das Internet zu benutzen. Sie fürchtet sich an jeder Straßenecke vor der Sittenpolizei. Die Familie will sie verheiraten, sie wird in die Enge getrieben, ihr Vater muss kommen, um sie zu retten.

Die Frau, die uns ihre Geschichte erzählt, wandelt sicher und selbstsicher auf einem schmalen Grat: Sie urteilt immer aufgrund individueller Erfahrung, verallgemeinert nie und erlangt dennoch Allgemeingültigkeit. Während in Deutschland die "kulturellen Eigenheiten und Unterschiede" als unantastbar und nicht kritikfähig gelten, kommt sie ohne diese Kollektivbegriffe aus. Sie kritisiert zwei Gesellschaftsformen, die sie erlebt hat, und braucht dazu keine Identitäts- oder Kulturklischees.
Und auch keine 'Heimat'. Nur ein Zuhause.

Besetzung: 4 Akteure (als Chor)
Alter: empfohlen ab 16
Uraufführung: frei


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